Freitag, 28. April 2017

Hörtipp: Trust the evidence

Das wichtigste Ziel der evidenzbasierten Medizin ist die Verbesserung der Gesundheitsversorgung für Patienten. Diesem Thema hat sich auch der neue, sehr hörenswerte Interview-Podcast des Centers for evidence-based medicine (CEBM) in Oxford verschrieben. Mitarbeiter des CEBM wie Carl Heneghan oder Kamal Mahtani sind über verschiedene Themen mit ihren Gästen im Gespräch: etwa über Unsicherheit und Statistik in der Medizin oder die Rolle medizinischer Journals. Die bisherigen Gesprächspartner waren David Spiegelhalter (Professor für Public Understanding of Science), Fiona Godlee (Chefredakteurin des BMJ) und Trish Greenhalgh (Professorin für Allgemeinmedizin in Oxford). Weitere Gespräche sollen folgen.

Die Podcast-Folgen lassen sich über die Internetseite herunterladen, aber auch über iTunes, Soundcloud oder per RSS-Feed im Podcatcher der Wahl abonnieren.

Mittwoch, 5. April 2017

EbM-Kongress zum Nachlesen

Für alle, die beim EbM-Kongress nicht dabei sein konnten, oder alle, die die wichtigsten Inhalte nochmal nachlesen wollen, habe ich wieder ein Storify in drei Teilen mit Eindrücken, Tweets und weiterführenden Informationen zusammengestellt:




Einen ausführlichen Bericht, die Präsentationen von zwei Keynotes und weitere Informationen zu Preisträgern gibt es auf der Kongress-Webseite.

Freitag, 31. März 2017

Lesetipp: Zum Silberjubiläum der evidenzbasierten Medizin

Die Bewegung der evidenzbasierten Medizin begann in den 1990er Jahren. Was hat sie in den letzten 25 Jahren erreicht, was hat sich verändert und welche Baustellen liegen noch für das nächste Vierteljahrhundert vor ihr? Zu diesen Fragen haben Benjamin Djulbegovic und Gordon Guyatt eine sehr lesenswerte Übersicht im Lancet veröffentlicht (leider nicht open access). Hier ein paar Schlaglichter:

  • EbM beruht auf drei grundlegenden theoretischen Prinzipien: 1) Nicht alle Evidenz ist gleich, und die medizinische Praxis sollte auf der besten verfügbaren Evidenz beruhen. 2) Dabei sollte man die Gesamheit der Evidenz berücksichtigen und nicht selektiv die Evidenz auswählen, die einem am besten passt. 3) Für die medizinische Entscheidungsfindung müssen die Werte und Präferenzen des Patienten berücksichtigt werden. 
  • Bei der Bewertung der Evidenz sind starre Hierarchien ("Evidenzpyramide") für die meisten Fälle nicht ausreichend. Wesentlich flexibler ist GRADE, das sich heutzutage für die Bewertung der Evidenz durchgesetzt hat.
  • Eine wichtige Entwicklung für die Berücksichtigung der gesamten Evidenz war die Erstellung systematischer Reviews, die im Idealfall auch die Grundlage klinischer Leitlinien sind.
  • Das Biasrisiko in klinischen Studien lässt sich nur bewerten, wenn die Details der Durchführung und Auswertung auch in den Studienberichten und Publikationen auftauchen. Deshalb kommt auch der Entwicklung von Reporting Guidelines ein wichtiger Stellenwert zu.
  • Für die Verbreitung von Evidenz sind in den letzten Jahren strukturierte Systeme wichtig geworden, die Evidenz zusammenfassen und bewerten. Allerdings ist die Qualität sehr heterogen.
  • Um shared decision making möglich zu machen, sind eine ganze Reihe von Entscheidungshilfen entwickelt worden. Aber wir brauchen noch mehr davon.
  • Zu den wichtigsten Herausforderungen der nächsten Jahre gehören aber auch einige Probleme, zu denen es zwar erste Lösungsansätze gibt, bei denen aber wir noch weit von einer grundlegenden Lösung entfernt sind. Dazu gehören etwa die verschiedenen Formen des Publication bias sowie die zeitnahe Produktion und Dissemination aufbereiteter Evidenz.

Lancet, Online First 17.02.2017, DOI 10.1016/S0140-6736(16)31592-6

Freitag, 24. März 2017

Lesetipp: Die Zukunft der Studienpublikation

Wenn Forscher eine klinische Studie durchführen, veröffentlichen sie die Ergebnisse in einer wissenschaftlichen Zeitschrift. Das ist bisher der Standardweg - allerdings gibt es damit reichlich Probleme: So werden bei weitem nicht alle Studien auch tatsächlich publiziert, häufig fehlen entscheidende Angaben oder es werden nicht alle Ergebnisse berichtet. Diese Schwierigkeiten sind schon seit langem bekannt, aber bisherige Versuche zur Abhilfe haben keinen nachhaltigen Erfolg gebracht. Das hat aber Auswirkungen auf die medizinische Wissenschaft und damit auch auf die Patientenversorgung.

Beate Wieseler vom IQWiG stellt in einem sehr lesenswerten Aufsatz in der aktuellen ZEFQ deshalb ihre Vision vor, wie zukünftig die Ergebnisse klinischer Studien verfügbar gemacht werden könnten: nämlich als eine Vielzahl von Dokumenten, die zeitnah zur jeweiligen Phase einer Studie in einer Datenbank veröffentlicht werden. Wenn diese Vision Wirklichkeit würde, würde das auch die Arbeit von Institutionen wie dem IQWiG deutlich erleichtern. Allerdings würde das auch bedeuten, dass die Berichte in medizinischen Journals nicht mehr die Primärpublikation sein werden, sondern nur noch eine Zusammenfassung der wichtigsten Aspekte.

Das IQWiG hat übrigens einen freien Link zu dem Artikel getwittert, allerdings ist nicht ersichtlich, wie lange der freie Zugriff funktioniert.

Wieseler B. Beyond journal publications – a new format for the publication of clinical trials. ZEFQ 2017; 120: 3-8

Dienstag, 14. März 2017

Ein Lehrstück über die Abhängigkeit von Anzeigenkunden

Aufmerksame Leser erinnern sich vielleicht: Ende 2015 startete in der Pharmazeutischen Zeitung eine Serie zur evidenzbasierten Selbstmedikation, in der ich zusammen mit meiner Kollegin Judith Günther auf der Grundlage eines Methodenpapiers für konkrete pharmazeutische Fragestellungen Studien recherchiert, bewertet und zusammengefasst habe. Allein den Vorstoß der Pharmazeutischen Zeitung fand ich schon bemerkenswert, und wir haben auch viel positive Resonanz von Lesern bekommen. Links zu allen publizierten Teilen der Serie haben wir auf der Seite des Fachbereichs Evidenzbasierte Pharmazie im DNEbM hinterlegt.

Im Mai 2016 wurde das Projekt jedoch abrupt beendet. Der Grund: Anzeigenkunden hatten massiven Druck gemacht. Die Details des Projekts haben Judith Günther und ich beim EbM-Kongress letzte Woche in Hamburg in Form eines Posters vorgestellt (Abstract -- Poster im Volltext).

Glücklicherweise hat sich der VdPP des Problems angenommen und der ABDA als Trägerin der Pharmazeutischen Zeitung einen offenen Brief geschrieben. Darin heißt es (ganz zu Recht): "Auf keinen Fall darf sie [die ABDA] hinnehmen, dass eine wissenschaftlich neutrale Information der Apothekerschaft durch das Standesblatt deswegen scheitert, weil sich Industrieinteressen durchsetzen. Wenn die Abhängigkeit von Anzeigen de facto zu einer industriefreundlichen Selbstzensur führt, ist das ein Armutszeugnis für den gesamten Berufsstand!"

Die konsequente Forderung: Die Zeitschrift der Standesvertretung der Apotheker muss wirtschaftlich durch die ABDA auf so gute Füße gestellt werden, dass Anzeigenkunden keinen Einfluss auf die Berichterstattung nehmen können.

Ich bin sehr gespannt, was sich aus diesem Brief entwickelt.

Dieses Problem ist übrigens im Bereich der medizinischen und pharmazeutischen Fachpublikationen kein Einzelfall, und ich bin davon überzeugt, dass wir hier nur die Spitze des Eisberges gesehen haben. Deshalb sei aus gegebenem Anlass auch nochmal auf die Serie zu unabhängigen Zeitschriften hingewiesen.


Montag, 6. März 2017

Podcast Evidenzbasierte Pharmazie im März

In der Rubrik „Evidenzbasierte Pharmazie in der Praxis“ gibt es wieder Hinweise zu verfügbaren evidenzbasierten Informationen, die sich besonders gut für die Beratung in der Selbstmedikation nutzen lassen. Neues gibt es bei medizin-transparent, bei Gute Pillen - Schlechte Pillen und im Patientenportal des IQWiG. In der Reihe zu epidemiologischen Studien geht es dieses Mal um Bias und Confounder. Und weitere interessante Neuigkeiten finden Sie im Blick „Über den Tellerrand“, dieses Mal wieder mit der Evidenz-Sprechstunde und einem Artikel aus dem Arzneimittelbrief: "Die FDA in der Ära Trump".




Podcast als MP3 downloaden


Links zu evidenzbasierten Informationen für die OTC-Beratung

Mehr Infos zu "Evidenzbasierte Pharmazie auf den Punkt" (epidemiologische Studien)

Links zu "Über den Tellerrand"


Musik Ausschnitte aus „I dunno“ von grapes, unter CC BY 3.0 Creative Commons Lizenzvertrag Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Nicht kommerziell - Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz.



Freitag, 3. März 2017

Eine neue Folge der Evidenzgeschichte(n)

Eigentlich sollte diese Folge erst im April erscheinen. Aber die Geschichte ist wieder sehr spannend, das wollten wir euch nicht vorenthalten. Und dann steht ja auch der EbM-Kongress vor der Tür - alles gute Gründe, warum die Folge doch schon jetzt veröffentlicht wird. Aber jetzt viel Spaß beim Zuhören!