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Podcast Evidenzbasierte Pharmazie: Journalclub im Mai

Im Mai schauen wir uns eine Studie an, die den Nutzen von Magnesium bei nächtlichen Wadenkrämpfen untersucht.

Oft findet sich für Wadenkrämpfe keine spezifische Ursache, was aber den Leidensdruck der Patienten nicht verringert. Wenn die Wadenkrämpfe nachts auftreten, schmerzt das nicht nur, sondern beeinträchtigt auch den Schlaf. Oft wird dann die Einnahme von Magnesium empfohlen - aber hilft das auch?

Den freien Volltext der Studie findet ihr bei JAMA Int Med.

Maor N et al. Effect of Magnesium Oxide Supplementation on Nocturnal Leg Cramps. A Randomized Clinical Trial. JAMA Intern Med. 2017;177(5):617-623. doi:10.1001/jamainternmed.2016.9261

Wie im Podcast erwähnt, hat medizin-transparent die Datenlage zu Magnesium bei Muskelkrämpfen detailliert analysiert (Stand 2015).

Und nun viel Spaß beim Zuhören und Mit-Kritisieren.







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Musik Ausschnitte aus „I dunno“ von grapes, unter CC BY 3.0


Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative C…

Lesetipp: Verzögerungen bei der Veröffentlichung von Studienergebnissen

Wer sich mit neuen Studienergebnissen beschäftigt, kennt das Phänomen: Ist eine Studie abgeschlossen, veröffentlicht der Hersteller oft eine Pressemitteilung. Werden die Ergebnisse auf einer Konferenz vorgestellt, kommt in der Regel noch ein Abstract hinzu. Dann dauert es aber noch eine ganze Weile, bis die Daten vollständig publiziert werden. Das ist deshalb bedeutsam, weil sich eine Studie in der Regel erst dann richtig beurteilen lässt, wenn alle Daten vorliegen.

Eine Analyse in JAMA Oncology hat sich einmal angeschaut, wie lange diese Verzögerung tatsächlich ist. Die Autoren haben über einen Zeitraum von acht Jahren die Pressemitteilungen zu Phase-III-Studienergebnissen von acht wichtigen Herstellern ausgewertet, die Mittel zur Krebsbehandlung vermarkten. Dabei untersuchten sie, nach wie langer Zeit die Ergebnisse entweder in einem Studienregister (clinicaltrials.gov) oder in einer Fachzeitschrift erschienen sind.

Im Median waren es 300 Tage zwischen Veröffentlichung der Pressemi…

Lesetipp: Irreführende Zusammenhänge im Ärzteblatt

Die Diskussion ist eigentlich schon alt: Mit Beobachtungsstudien lassen sich keine kausalen Zusammenhänge belegen - und das sollte sich dann eigentlich auch im Wording der Berichterstattung niederschlagen. Wer die Newsmeldungen des Ärzteblatts verfolgt, sieht aber immer wieder, dass diese Grundregel ignoriert wird. Autorinnen der Universität Hamburg hat das so geärgert, dass sie das Phänomen einmal quantitativ untersucht haben. Ihre Analyse ist in der letzten Woche in PLOS One veröffentlicht worden.

Dabei ist das Autorinnenteam sehr systematisch vorgegangen: Bei den Newsmeldungen in einem Zeitraum von etwas über einem Jahr bewerteten sie (jeweils zwei Gutachterinnen unabhängig voneinander) die Überschrift und den Text der Meldung, Abstract und Volltext der zugehörigen Studienpublikation und die zugehörige Pressemitteilung im Hinblick auf den Grad von Kausalität (insgesamt fünf Kategorien), der der Verbindung zweier Variablen zugeschrieben wurde (z.B. "Vitamin C schützt vor Grau…

Lesetipp: Supporting informed decision-making

Im immer lesenswerten Blog "Evidently Cochrane" von Cochrane UK gab es letzte Woche einen besonderen Post, der sehr anschaulich illustriert, worum es bei EbM und shared decision making geht und gehen sollte. Am Beispiel einer älteren Dame mit dem Zufallsbefund "erhöhte Cholesterinwerte" stellt das Autorenteam dar, welche Fragen man sich zu weiteren Tests und möglichen Therapien stellen sollte. Dabei wird auch explizit thematisiert, wo es Erkenntnislücken gibt und wie Präferenzen und Wünsche von Patienten mit in die Entscheidung einfließen sollten (und wie man überhaupt darüber ins Gespräch kommt).

Lesetipp: Signifikanzgrenze senken - oder doch ganz anders?

Die meisten wissen es bereits: Die Debatte um den p-Wert geht immer weiter. Über die Probleme, die damit zusammenhängen, hatte ich bereits berichtet. Ende 2017 hatte ein Paper Wellen geschlagen, in dem ein Konsortium von 72 Statistikern vorschlug, den die Signifikanzgrenze auf 0,005 zu senken, also um den Faktor 100 gegenüber dem bisherigen üblichen Wert. Darüber ist breit debattiert worden und natürlich gibt es auch Gegenvorschläge.

Kürzlich hat John Ioannidis in JAMA die Debatte aufgegriffen und einmal die möglichen Alternativen zur Senkung der Signifikanzgrenze zusammengefasst, etwa Bayes'sche Methoden, totaler Verzicht auf p-Werte oder Fokussierung auf auf Effektgrößen und deren Unsicherheit. Gleichzeitig diskutiert er auch, wie wahrscheinlich eine schnelle Umsetzung ist.

tl;dnr: Es gibt keine einfache bessere Alternative, die leicht umzusetzen ist. Ob sich etwas bewegt, hängt auch entscheidend davon ab, ob es entsprechende Anforderungen oder Anreize, etwa von Seiten der Jour…

Lesetipp: Unreported clinical trial of the week

Vor einigen Wochen habe ich über den FDAAA Trials Tracker gebloggt, den ein Team des EbM Data Lab um Ben Goldacre in Oxford gebaut hat. Damit lässt sich nachvollziehen, wie viele Studien, für die eigentlich schon Ergebnisse in clinicaltrials.gov vorliegen müssten, noch nicht veröffentlicht sind.

Jetzt gibt es noch eine interessante Weiterentwicklung: Das Team beschränkt sich nicht nur aufs Zählen, sondern stellt jede Woche im BMJ-Blog eine der unveröffentlichten Studien vor. Damit wird deutlich, welche Auswirkungen die Nicht-Veröffentlichung auf die Versorgung von Patientinnen und Patienten haben kann.

Die einzelnen Teile der Serien sind in einer eigenen Kategorie zusammengefasst und ein eigener Post stellt das Gesamtprojekt vor.

Lesetipp: The patient revolution - why we revolt

Eine sehr unterstützenswerte Initiative wurde von Victor Montori gestartet, der sich dafür einsetzt, dass sich die Gesundheitsversorgung verändert: weg von einer Massen-Abfertigung und wieder mehr den/die einzelne(n) Patienten/in in den Blick nimmt. Im zugehörigen Buch "Why we revolt: A patient revolution for careful and kind care" erzählt er Geschichten, wie sich die Medizin an so vielen Stellen als herzloses Monster darstellt, das nicht Leben rettet, sondern Lebensqualität frisst. Und dabei könnten kleine Änderungen an manchen Stellen schon so viel für den einzelnen Patienten bewirken - aber lest selbst.

Einen guten Überblick bietet die Website, wo man auch den Link zum Buch findet. Außerdem gibt es auch einen sehenswerten Einführungsvortrag zum Thema.